• bääh

Saison 14/15 - Playoff-Final

Naters – 17./18. April 2015 – Freitagabend, der Zeiger der Klosiuhr zeigt kurz vor 21 Uhr. Das Prozedere der Mannschaftsvorstellung ist im Gang. Selbstsicher stehen die Schafe in Reih und Glied. Im Wissen mit Teamchef Zurwerra über einen Strategen zu verfügen, der sich einen Gameplan zurechtlegte. Im Wissen Herr über die nötige Physis zu sein, die es heute braucht, um überhaupt eine Chance zu haben. Im Wissen den besten Torhüter der gesamten Liga hinter sich zu spüren. Im Wissen Schläge und hinterlistige Fouls einstecken zu müssen, anschließend aber wieder aufzustehen und weiterzumachen. Und im Wissen eine derart solidarische Einheit – eine derart gekittete Herde – zu bilden, wie es sie bei den Schafen noch nie gab. Mit diesem Wissen ging es auf in die Schlacht.

Blacknosesheep – UHC Embd Devils 2:3 (2:0) Playoff-Serie: 0:1

Bevor die Erzählung losgeht; ein kurzer Exkurs in die Geschichte. Eine Frage: Was passiert wenn zwei so dominante und diametral abweichende Systeme wie der Kapitalismus und der Kommunismus aufeinanderprallen?

Eines ist klar – das kann nicht lange gut gehen. Die Ansätze sind dermaßen unterschiedlich, dass zuerst Druck, danach Überdruck und schließlich die Explosion resultiert. So oder so ähnlich entstand denn auch der Entschluss seitens des kommunistischen Regimes 1961 die Berliner Mauer zu errichten. Und was das bedeutete und was das für Auswirkungen hatte, wissen wir alle.


Zurück in die Klosi. Die zahlreichen Zuschauer durften sich auf ein Duell freuen, das Emotionen, Druck, Überdruck ja vielleicht sogar Explosionen versprach. Denn es traten zwei Teams zum Showdown an, die verschiedener nicht sein könnten. Das Grundprinzip und das damit verbundene Werteverständnis ist nicht auf derselben Basis aufgebaut. Dies erzeugt Spannungen – und zwar umgehend und ab der ersten Spielminute an. Nun gut – so viel zur Theorie. In der Praxis sieht das Ganze dann so aus. Die Schafe, wie übrigens auch alle anderen Teams der OUM-Gruppe A, sehen Regeln als vorgegeben an, diese werden möglichst eingehalten und wenn diese überschritten werden, ahndet der Schiri das Vergehen – was dann, wenn auch zähneknirschend, akzeptiert wird.


Die Devils sehen das anders. Grundsätzlich sind die Regeln da, um gebrochen zu werden. Es geht einzig und allein darum, ob der Schiri pfeift oder eben nicht. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Schiri und nicht das Regelwerk die „Pace“ vorgibt.


Nun gut, wie gesagt, das sind zwei Systeme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dieser Fakt ist es dann auch, dass das Schiedsrichterwesen so herausfordernd erscheinen lässt und es zwingt rigoros durchzugreifen. Verpasst es diesen Moment, verliert es die Kontrolle über das Spiel – und es wird ihm auf der Pfeife rumgetanzt.


Sich dessen bewusst zu sein ist das eine. Sich dagegen zu wehren das andere. Und es braucht Zeit. Es ist auch für das Schiedsrichterwesen ein Prozess, sich auf die Mannschaften und die sich stets verändernden Umstände einzustellen, die ruppige Art in einem vernünftigen Maß zu tolerieren, so dass nach wie vor mit gleichen Ellen gemessen wird.

Eines soll an dieser Stelle aber klar gesagt werden. Die Schiris Miesch und Schmutz hatten einen dermaßen schweren Stand, dass ihnen ein Kompliment gemacht werden muss. Sie waren unparteiisch, authentisch und schlussendlich weder am Sieg der Devils noch an der Niederlage der Schafe verantwortlich. Und trotzdem zeigten diese Spiele die Grenzen und die Limiten der Referees auf. Der Ursprung ist nun mal in der Auffassung und der Interpretation des Regelwerks zu suchen. Emotionen hin oder her.


Nun gut – die Schiris werden zusammensitzen und die Vergangenheit aufarbeiten sowie analysieren müssen, um dem Entwicklungsschritt der OUM Folge leisten zu können und die Kontrolle über das Spiel wieder vermehrt in die eigenen Händen zu nehmen. Dabei sind gefährliche Checks in der Nähe von Wänden in kleinen Hallen drastisch zu bestrafen - genauso wie Ausraster, sei es nun von Spielern, von Funktionären oder von Trainern. Es geht darum, das fragile Konstrukt OUM zu (be)-schützen, damit weiterhin mit Spaß und Freude sowie unfallfrei Unihockey gespielt werden kann und auch in Zukunft keine Mauer – zwischen welchen Parteien auch immer - entsteht.


Die Schiris waren denn auch der Grund, warum es im Spiel der Schafe gegen die Teufel zwar zu Druck- manchmal auch zu Überdrucksituationen, jedoch nicht zur Explosion gekommen ist. Das Spiel begann turbulent. Früh schon sah sich Frutiger auf der Strafbank, was jedoch seitens der Devils nicht in Zählbares umgemünzt werden konnte. Die Box stand, das Selbstvertrauen stieg. Nach überstandener Strafe eröffnete Zurwerra das Score zum 1:0.

Hinten standen die Schafe sicher und vorne doppelte Imhof nach Vorarbeit Markovics zum 2:0 nach. So blieb es denn auch bis zum Pausentee. Die Devils hatten ihre Chancen, scheiterten aber immer wieder am überragenden Ruppen oder mit Pech an der Torumrandung.


In den zweiten zwanzig Minuten beherrschten die Devils komplett das Tempo. Die Schafe, bei denen sich Wyer mit einer Verletzung durchzubeißen versuchte, schafften es nicht mehr die Bälle in den eigenen Reihen zu halten, kriegten diese nicht mehr aufs Tor und verschafften sich somit auch keine Entlastungen mehr. Die Folge war der Ausgleich durch Tore von Wasmer und Lengen.


Das Spiel bot Spannung bis zum Schluss. Der Embder Anhang unterstützte sein Team mit Sprechchören, wie es die OUM-Familie noch nie erlebte. Pure Gänsehautstimmung. Die Klosi bebte wie die Resega zu besten Zeiten in Playoff-Schlachten gegen Ambri.

Die Entscheidung fiel dann 8 Sekunden vor Schluss in einer 2 gegen 2 Situation. Wasmer erblickte die Gelegenheit als erster, reagierte und traf zum vielumjubelten 3:2. Es stand 1:0 in der Serie.


Dieser Sieg war eng, anhand der Spielanteile aber verdient. Nichtsdestotrotz war die defensive Strategie der Schafe aufgegangen – fast zumindest. Es fehlten Nuancen, die halt den Unterschied zu Gunsten der Devils ausmachten.


Das Spiel fand im großen Rahmen fair statt. Die groben Fouls blieben aus. Die üblichen Nicklichkeiten, Stoßereien und Trashtalks gehören in einem Playoff-Final logischerweise dazu. Oder wie pflegte Strillo Lengen das so schön zu sagen: „Playoff ist halt kein Kindergeburtstag“. Recht hat er. Doch was Ellbogen im Gesicht des Gegners zu suchen haben – und dies immer und immer wieder – das werden die Schafe wohl nie ganz verstehen.

Ruppen (C); Markovic, Frutiger; Eyholzer, Carlen, Roten, Imhof (1); Wyer, Zurwerra (1)

Strafen: Frutiger 1 x 2’, Zurwerra 1 x 2’, Imhof 1 x 2`

Blacknosesheep – UHC Embd Devils 6:8 (2:3) Playoff-Serie: 0:2

Die Schafe vermochten die Niederlage vom Vortag mental äusserst gut wegzustecken und waren, atypisch für ihr Alter, sehr frisch. Dennoch hatten sie Mühe ins Spiel zu finden. Die Strafen von Roten, Frutiger und Zurwerra innerhalb der ersten 10 Spielminuten erschwerten eine Rhythmusfindung dann auch naturgemäss. Diese Umstände nutzten die wachen Devils denn auch zur Führung. Durch Steven Fux und zweimal Sascha Lengen, jeweils auf Vorarbeit des Embder-MVP’s Wasmer, hiess es nach gut 13 Spielminuten 3:0 für die Teufel. Alles geritzt?

Nein. Totgeglaubte leben bekanntlich länger oder Schafe, die nicht fressen – die beissen. Den Weidentieren gelang die Auferstehung in Überzahl. Zurwerra nutzte die sich bietenden Räume und netzte zweimal ein. Anschluss. 2:3. Pause.


Was nun folgte, war erneut beste Werbung für den Oberwalliser Unihockeysport. Beide Teams schenkten sich nichts. Embd-Coach Lengen verzichtete nun fast ausschliesslich auf die Dienste seiner dritten Formation um Adrian Fux und Konsorten. Vor allem die Wasmer-Linie wurde jetzt forciert. Sein Pendant ad interim auf Seiten der Schafe – David Wyer, der verletzungsbedingt nicht mehr eingesetzt werden konnte, tat es ihm gleich und forcierte den Zurwerra-Block aufs Äusserste. Und dies vorerst mit grossem Erfolg. Imhof glich das Score zum 3:3 aus. Alessandro Bumann schoss seine Farben kurzum wieder in Führung, doch Patrick Eyholzer reagierte postwendend. 4:4. Nach dem 5:4 und 6:4 für Embd durch Wasmer und Lengen schien die Vorentscheidung, wieder einmal, gefallen zu sein. Doch Frutiger und Zurwerra glichen erneut aus. Was für ein Ärgernis für die Anhänger der Teufel, die den Champagner immer wieder aus dem Kühlschrank nahmen, um ihn dann doch wieder kaltstellen zu müssen.


64 Sekunden vor Schluss brach Wasmer den Schafen dann doch das Genick. Das 7:6 war zu viel. Die Schafe versuchten alles Mögliche, um den neuerlichen Ausgleich zu erzielen, doch es sollte nicht mehr reichen. Als Ruppen einem vierten Feldspieler Platz machte, traf Schaller zum Endresultat von 8:6.


Embd hat nach dem CUP und der fast perfekten Qualifikation nun auch die Meisterschaft gewonnen. Dazu gratulieren wir Schafe von ganzem Herzen. Ihr wart nicht überlegen, aber ihr wart besser. Und das anerkennen wir. Deswegen habt ihr den Titel verdient gewonnen. Mit Wasmer hattet ihr den wohl komplettesten Spieler der gesamten Liga in euren Reihen, schaut, dass ihr diesen zu halten vermögt. Wir werden uns jetzt auf die Alp zurückziehen, viel Gras fressen und unsere Lehren daraus ziehen. Und dann kommen wir wieder und beissen euch in den Schwanz.

Ruppen (C); Markovic, Eyholzer (1); Carlen, Roten, Imhof (1); Frutiger (1), Zurwerra (3)

Strafen: Frutiger 1 x 2’, Zurwerra 1 x 2’, Roten 1 x 2‘

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