OUM-Cupfinal 22.02.2020

Blacknosesheep : UHC Ibex Grächen 10:8 (3:5)


Das erste grosse Highlight, wie es André Imboden ausdrückte, der diesjährigen OUM-Saison stand an, der Cupfinal in der Klosihalle in Naters. Die Schafe hatten somit die Möglichkeit, während der närrischen Zeit, zu Hause, praktisch im eigenen Wohnzimmer den ersten OUM-Titel dieser Saison zu gewinnen. Vergleichbar am ehesten mit dem Szenario, wenn die Münchner Bayern im Fussball während des Oktoberfestes die Möglichkeit hätten, in München um einen Titel zu spielen. Der Druck der natischer Bevölkerung auf die Schafe selbstredend gross. Vor allem für die einheimischen Urgesteine Marco Frutiger, Sebastian «Sebi» König und Daniel Zurwerra, alle drei richtige «Natischer Challini».

Bei Bayern am ehesten nachzufühlen für einen wie Thomas Müller, einen echten Bayern, vor eigener Kulisse der Erwartungshaltung der Zuschauer standzuhalten. Die Dimensionen zwar ein Bisschen grösser, die Emotionen jedoch die gleichen.


Freitag, einen Tag vor dem grossen Finale im Coop in Brig. 19.27 Uhr. Als ich die drei Jungs vor mir an der Kasse 6 Halbliterdosen Bier, 4 Packungen Tiefkühlpommes und eine grosse Tube Mayonnaise kaufen sah für den bevorstehenden Gätsch-Abend in Brig, dachte ich mir nur: Hoffentlich wird unsere Feier nach dem morgigen Finale auch so toll.


Zurück zu den drei waschechten Natischern im Team der Schafe. Frutiger war zu dieser Zeit zu Hause, ging seine Vorbereitung fürs Finale nochmals durch. Wer ihn kennt, weiss was dies bedeutet - Fokus aufs Wesentliche, jedes Detail beachtend, bis in die Zehenspitzen motiviert. Seriöser kann man ein solches Spiel kaum angehen. Auch wenn er mit Talent gesegnet ist, weiss er stets an sich zu arbeiten. Wie sonst wäre es zu erklären, dass dieser Mann in jungen Jahren Topskorer der höchsten Schweizer Beachsoccer-Liga war. Höher kannst du in der Schweiz nicht spielen. Treffsicherer sicherer war kein Anderer der Liga. Eine höhere Auszeichnung für einen Skorer als die nationale Torjägerkanone gibt es nicht! Sensationell wenn man dies bedenkt. Einzig ein Aufgebot durch den Nationaltrainer bekam Marco Frutiger nicht. Zu wenig Fallrückzieher, so die lapidare Erklärung des Nati-Trainers. Da kann der wahre Beachsoccer-Fan nur den Kopf schütteln ab dieser unsinnigen Erklärung. Was solls, statt den Baselland Chargers oder den Winti Panthers heissen die Gegner nun Old Boys Naters-Brig oder Embd Devils und die Sportart Unihockey. Sein Torinstinkt ist geblieben. Später mehr dazu.


Zur gleichen Zeit bei den Königs zu Hause: Sebi räumt den Tisch ab, macht das Geschirr, hilft an allen Ecken und Enden, wo es ihn halt eben gerade braucht. Ein Allrounder. Auch Sebi ging danach seine Aufgabe für den anderen Tag nochmals durch: Position halten, Zweikampf annehmen, Ball erobern, Kopf heben, Heyni oder Zurro suchen, schnurgeraden Pass spielen, auf Abpraller lauern oder direkt bei den anderen beiden Abklatschen gehen nach erfolgreichem Angriff. Ein Allrounder eben. Andere spielen ihr halbes Leben lang OUM, ohne je die Chance auf einen Titel zu bekommen. Sebi holt Meisterschaftn und 2 Supercups innerhalb seiner ersten beiden Jahre auf dem Floorballparkett und hat nun die Chance mit dem Cuptitel die Sammlung komplett zu machen. Irgendwie verrückt! Sebi wählt selten den einfachen Weg. Kaufen andere eine Familienpizza im Aldi, backt Sebi diese für seine Familie selbst. Wenns sein muss, mahlt er den Weizen fürs Mehl mit zwei Steinen selber, rührt den Teig an, bereitet während des Aufgehens desselben die anderen Zutaten vor, deckt den Tisch, belegt die Pizza, schiebt sie in den Ofen und wartet geduldig bis sie fertig ist. So ist er halt, kein Aufwand zu gross, kein Weg zu weit. Jürgen Klopp würde Sebi einen Pöhler nennen. Was zum Himmels Willen ein Pöhler ist? Klopp erklärte es eines guten Tages folgendermassen: Ein Pöhler ist einer, der sich auf dem Bolzplatz die Knie aufschrubbt, um sich nachher besser zu fühlen. Danke Sebi an deinen unermüdlichen Einsatz! Wer übrigens denkt Sebi wäre die Kurzform von Sebastian, könnte recht haben. Könnte, hat es im Fall von König jedoch nicht. Das wäre ihm zu einfach gewesen, er hat sich seinen Übernamen auf dem Feld erarbeitet. S E B I steht stellvertretend für sein Spiel:


S chnell E infach B allerobernd I ntelligent


Über Daniel Zurwerra braucht man nur wenige Worte zu verlieren. Einen Tag vor dem grossen Finale ist er jeweils bereits in seinem «Tunnel». Nichts und Niemand kann den Mann mit Nerven wie Drahtseilen dann mehr aus seinem Rhythmus bringen. Zumindest fast Nichts. Akribisch hat er jedes Szenario auf seinem Radar. Ein riesengrosses Dankeschön an Sabrina, dass sie ihrem Dani in solchen Momenten den Rücken freihält, ohne sie wären die Erfolge der letzten Jahre nicht möglich gewesen!


Zum Spiel

Alles war angerichtet für ein gemütliches Cupfest der Natischer. Denkste! Einen Final kannst du als Team nicht alleine absolvieren, dafür brauchts Gegner. Und die wollen auch gewinnen. Dieser Gegner waren am diesjährigen Cupfinale die Steinböcke aus Grächen. Sie wollten hoch hinaus in dieser Cupsaison, und wer Steinböcke schon mal Klettern gesehen hat, weiss wie geschickt sie sich dabei anstellen in luftige Höhen zu kraxeln. Die Grächner sind nicht nur gute Skifahrer und begeisterte Beachvolleyballer, sondern auch hervorragende Unihockeyspieler. Eine verschworene Truppe mit den beiden Leuchttürmen Silvan Karlen und Raphael Gruber. Obwohl unterschiedlich, beide mit herausragenden Fähigkeiten.


Silvan Karlen trifft das Tor praktisch aus jeder Situation zu jedem Zeitpunkt, ihm muss nicht erklären wo die Eisenstangen mit dem Netz auf dem Feld stehen. In einem Wort: Eiskalt. Mit Raphael Gruber auf dem Feld spielen die Grächner gefühlt fast immer in Überzahl, er denkt und lenkt für 2 Spieler. Unsaglich schwer ihn zu kontrollieren. Eine Augenweide.


Sie und ihre Teamkameraden waren bereit den Schafen in deren eigener Stube die bereitgestellten Chips wegzuknabbern und das kalt gestellte Bier auszutrinken. Schelme.


Viele waren gekommen, diesen Final zu sehen, Einer fehlte. Ein Grosser, ein Wichtiger aus natischer Sicht. Franz Ruppen machte es sich zu Hause auf seinem Sofa gemütlich. Er wünschte den Schafen jedoch viel Erfolg. Merci Franz! Überall kann man nicht sein, gerade zur Fasnachtszeit. Franz wir nehmen dich nun aber in die Pflicht. Es muss ja nicht immer an einem Final sein, bei dem du uns unterstützt, du kannst auch mal einen Balleinwurf an einem Freitagabend an einem der Schafetrainings vornehmen. Wir würden uns freuen.


Heynen hatte die Mannschaft hervorragend auf Grächen eingestellt, keine Einzelheit hatte er in seiner Analyse ausgelassen. Überraschungen konnte es also keine geben. Alle waren bereit auf der Bank der Schafe. Um 16 Uhr begann das Endspiel um die Walliserkanne mit den stets gleichen Gravuren. Die Schafe starteten gut, erzeugten Druck, kamen zu Chancen. Alles schien gut zu laufen. Wann aber würde Daniel Zuwerrra das erste Mal aufs Feld kommen, fragten sich die Zuschauer. Er kam nicht, in keinem der nicht ganz kompletten 3 Blöcke. Ein Bluff seitens der Schafe? Wollten sie wirklich diesen Toptorschützen schonen im Final? War er erkältet, gar verletzt? Er hatte sich doch umgezogen und stand scheinbar bereit. Warum nur wurde er nicht eingesetzt?! War er intern gesperrt, weil er am Vorabend in Brig am Gätsch war? Nein, das wussten die Zuschauer, würde Zurro nie machen! Was war los? Stillschweigen seitens der Natischer.


Silvan Karlen auf jeden Fall schien das Fehlen seines Pendants bei den Schafen nicht zu interessieren. 3:48 waren gespielt, da schoss er die Grächner in Führung. Der braucht nicht viele Chancen um ein Tor zu erzielen. Leider, für die Schafe. Die Schafe wollten möglichst kein Gegentor kassieren. Zu spät. Obwohl Fussball-Weltmeister Thomas Hässler dies wohl wie folgt ausgedrückt hätte: «Das hat auch bis zum ersten Gegentor ganz gut geklappt». Die Schafe wollten jedoch Nichts beschönigen. Frutiger tat es Karlen kurz darauf gleich, nach etwas mehr als 5 Minuten stand es 1:1. Dann Gruberte es in der Natischer Klosi. Zuerst Raphael Gruber mit dem 2:1. Das durfte doch nicht wahr sein. Beide Grächner Topspieler hatten bereits getroffen. Grünwald auf der anderen Seite mit dem vermeintlichen 2:2, die beiden Schiedsrichter sahen dies aber zum Erschrecken der Schafe anders. VAR gibt’s in der OUM nicht. Kein Tor. Gruber Fabian nutzte dies aus, traf anschliessend innert 43 Sekunden zwei Mal. Hatten die Grächner die Schafe bereits vorentscheidend distanziert? Statt hellwach zu sein, standen die Schafe wie gefrorene Lammkeulen auf dem Feld herum. Einfach für jemanden wie Fabian Gruber dies auszunutzen. Oder, wer sich zum Schaf macht, den Fressen die Wölfe. Heieiei.


Durch zwei Strafen machte sich Grächen aber danach das Leben selber schwer. Beide Male liessen sich die Schafe die Chance nicht entgehen. Das Powerplay mit Heynen, Imesch und Point Grünwald funktionierte. Nur noch 4:3 für Grächen. Wann würde die rettende Pause für die Schafe kommen, um definitiv Ordnung zu schaffen? Zu spät, Ricardo Karlen traf 7 Sekunden vor dem Pausentee zum 5:3. Grächen hatte die Walliserkanne auf ihre Seite gezogen und war nicht mehr gewillt, sie den Schafen zu überlassen.


Was war mit jedoch mit diesen los? Jungs, Finale, mehr geht nicht und ihr steht da wie rostige Hydranten! Was spielten die Vorderleute von Mischi Ambord da teilweise für einen Schrott. Vor allem die Wechsel waren mehrfach katastrophal. Sollte Mischi, diesem bärtigen Hexer, die Spucke für einmal wegbleiben und er den Abend zu Hause statt im Gätsch verbringen?! Ohne seine Sprüche wohlgesagt.


Heynen analysierte das Spiel der ersten Hälfte. Ich könnte nun All seine Einzelheiten aufführen, mach ich aber nicht, sondern fasse es kurz: Man sollte sich nicht in die Hose machen, wenn man nur eine dabei hat.


Und das war an diesem Final der Fall. Es würde kein Rückspiel mehr geben, es gab nur noch die letzten 20 Cupminuten in dieser Saison.


Einer dehnte sich nervös während Heynens Pausenansprache, überlegte hin und her und dann kamen seine, Zurros Worte, die für das Team runter gingen wie Öl: also ich spile eu iner zweit halbzit, de hei wer di 3 bleck und ornig im spil.


Was er eigentlich sagen wollte hätte Aprikosen Andi wie folgt ausgedrückt: Ich bi bereit Kollegu!


Gänsehaut in der Klosi. Zurro machte es wie damals Bud Spencer im Film Der Bomber (Youtube-Link: ab 1:28:08). Für den angeschlagenen Desideri stieg in der zweiten Runde Bud «Zurro» Spencer in die Ringseile. Nehmt euch Zeit für diese 5 Minuten auf Youtube, dann wisst ihr was ich meine. Statt der «Bomber, Bomber»-Rufe hallte es «Zurro, Zurro» durch die Klosi. Zwar nicht hörbar, aber man konnte es fühlen. Jetzt wusste jeder Natischer, es würde ein denkwürdiger Final werden, den man nicht so schnell vergisst. Zurro vermochte zwar keine entscheidenden Treffer zu setzen, aber seine Energie reichte um seine Mitspieler mitzureissen! Nun kam die Welle der Schafsangriffe auf die Grächner Mannschaft zu. Und die Zeit von Marco Frutiger! Frutiger, Grünwald, Heynen, Frutiger, Frutiger, Frutiger – nun trafen die Schafe, allen voran der Ex-Torschützenkönig des Beachsoccers. Wow, was für eine Show! Zurro kamen «di Grieme». Er war den Tränen nahe vor Freude. Warum Heynen nicht immer alle Gegner überläuft sah man bei seinem Tor zum 10:8 – weil er auch von wenigen Metern vor dem eigenen Tor aus unhaltbar einnetzen kann! Auch wenn Raphael Gruber und Silvan Karlen mit 3 Toren ihre Klasse aufblitzen liessen, sollte es für die tapfer kämpfenden Steinböcke nicht mehr reichen an diesem Samstag. 10:8 lautet das Schlussverdikt. Es gab nur einen Sieger, obwohl die Grächner auch Alles gegeben hatten! Chapeau und grosses Kompliment!


Sebi König hatte auch seinen Anteil am Sieg, wie die weiteren Schafe auch! Es hat jeden einzelnen Spieler gebraucht für den Cuperfolg in dieser Saison.


Zu Frutiger gilt es in der aktuellen Situation nur noch eins zu sagen: Wenn es mit der Nationalmannschaft im Unihockey nicht reicht, dann wohl, weil er zu wenig Fallrückzieher macht (*Augenzwinker*). Anders wäre es nun nicht mehr zu erklären.


Der restliche Verlauf der Feierlichkeiten hatte einen Hauch von Hollywood an sich: nach der Pokalübergabe und den Bestplayer-Ehrungen (Frutiger, mehr muss man bei den Schafen dazu nicht sagen und Ricardo Karlen bei Grächen) feierte Johnny Depp! mit den Schafen in der Kabine. Zumindest aus der Box, wenn auch nicht der echte. Bier, kein Dosenbier, Pizza im Pub 118 statt Tiefkühlpommes, zwar nicht von Sebi König gemacht, aber auch sehr gut. Nach dem Final im eigenen Wohnzimmer folgte nun der Auftritt der Schafe in ihrer «Zweitwohnung», dem Briger Gätsch. Ein Parkett, auf dem sich die Schafe auch wohlfühlen sollten, inklusive Rämi Murmann, welcher auch in Footballmontur eine gute Figur machte. Und Mischi Ambord? Im blieb die sprichwörtliche Spucke nicht weg, seine Sprüche sassen wie immer. Ihn kennen die Gegner aus der OUM auch im Ausgang, nicht nur die Embder. Ein bekanntes Gesicht, auch wenn er während den Matches seine Goaliemaske trägt.


Randnotiz. Die Schafe haben es geschafft, mit dem Cupsieg 2020, Titel in den letzten 3 Dekaden zu holen. Hut ab. Auch vor Sebi König, nach Meisterschaft und Supercup hat er nun auch den Cup in der Tasche.


Nächsten Samstag geht es weiter. 5. Spieltag der A-Gruppe in der BFO-Turnhalle in Brig.

Gegner? Bekannt. Grächen und die Old-Boys aus Naters.


Marschrichtung? Bekannt. Verlieren verboten.


Fotos: Astrid Schaffner


Blacknosesheep: Ambord, Schaffner (Tor); Heynen (3/0), Grünwald (1/2), Gsponer (0/0); König (0/0), Briggeler (0/0), Imesch (1/0); Zurwerra (0/0), Imthurn (0/1) Frutiger (5/0)





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